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„DAS GEHEIMNIS DER ERLÖSUNG HEISST: ERINNERUNG"
(Ba'al Schem Tov)

PESSACHMAHL UND ABENDMAHL

Referat zur Übung „Das sakrale Mahl“ (Dozentin B. Beinhauer-Köhler)
im Sommersemester 1999

I. PESSACHMAHL

Grundsätzliches:

Das Pessachmahl ist die Erinnerung des Auszugs Israels aus dem Sklavenhaus Ägypten – die Urerfahrung Israels, an die in allen Zusammenhängen immer wieder erinnert wird.

Quellen

Biblische Quellen:
- Exodus 12 (Vv. 21-23 als älteste Überlieferung)

21 Mosche berief alle Alten Jissraels und sprach zu ihnen:
Greift heraus und nehmt euch Schafe für eure Sippen und metzet das Übersprungsmahl.
22 Dann nehmt ein Bund Ysops, tunkt es in das Blut, das im Becken ist,
und streicht von dem Blut, das im Becken ist, an den Türsturz und an die beiden Pfosten.
Ihr aber zieht nicht hinaus, keiner aus dem Einlaß seines Hauses, bis an den Morgen.
23 Schreitet GOTT einher, Ägypten dahinzustoßen,
und sieht das Blut am Türsturz und an den beiden Pfosten,
dann überspringt GOTT den Einlaß
und gibt nicht zu, daß der Verderber in eure Häuser komme, zu stoßen.
24 Wahret diese Rede
zum Gesetze dir und deinen Söhnen auf Weltzeit!
(Übersetzung nach Martin Buber)
(Das Wort GOTT in dieser Schreibweise bedeutet die Übersetzung des hebräischen JHWH - des heiligen, unaussprechlichen Namens)

- Jos 5, 10-12 (Feier der Israeliten bei Gilgal)
- II Reg 23, 21-23 (Initiierung der Pessach Feier in Jerusalem durch den Fund des Bundesbuches)
- II Chr 30 (Pesachfeier unter Hiskia)
 Die Historizität dieser drei Berichte ist umstritten!

Ausserbiblische Quellen:
Jubiläenbücher
Qumran
Tragiker Ezechiel (II. Jahrh. v.u.Z.)
Philo v. Alexandrien (1. Jahrh. n.u.Z)
Mishna Pessachim
Targum  und Midrasch
Pessach-Aggada (I. bis II. Jahr. n.u.Z)

Historische Entwicklung

Etymologie von Pesah hsp = Zurückstoßen, Abprallen, Gegenprallen

Ursprung: heidn. Frühlingsfest?

Wahrscheinlich erst Trennung von Pessachfest und Fest der ungesäuerten Brote.

Das Pesachdest dauert  sieben Tage – am ersten und letzten Tag „Feiertag“, dazwischen Alltag mit ungesäuertem Brot (s. Exodus 12,15)

Wallfahrtsfest Deut. 16, 16 f.

16 Dreimal im Jahr soll alles, was männlich ist in deiner Mitte, vor GOTT , deinem Gott, erscheinen, an der Stätte, die GOTT erwählen wird: zum Fest der ungesäuerten Brote, zum Wochenfest und zum Laubhüttenfest. Sie sollen aber nicht mit leeren Händen vor GOTT erscheinen,
 17 sondern ein jeder mit dem, was er zu geben vermag, nach dem Segen, den dir GOTT, dein Gott, gegeben hat.
(Einheitsübersetzung der Bibel, Stuttgart 1980, modifiziert von T.S.)

Zentrales Fest im Tempel: Schlachtung der Pessach-Lämmer – aber nach wie vor Hausgottesdienst

Nach Tempelzerstörung (70 n.u.Z.) und Bar Kochba Aufstand (Beginn der Diaspora 135 n.u.Z.) wird das Pessachmahl auch zur Erinnerung an das Exil und den zerstörten Tempel. Noch heute dauert das Pessachfest in der Diaspora einen Tag länger als im Land Israel.
 

Liturgie

Vorbereitung:
Alles Gesäuerte muss aus dem Haus entfernt werden (bis 10 Uhr am Tag des  Sederabends)

Der Sedertisch:
Mazzoth: drei ungesäuerte Brote. In der Eile des Aufbruchs war keine Zeit mehr, den Teig zu durchsäuern.
Wein: Freude über die Befreiung – das Glas wird viermal geleert
Erdfrucht: wie die Petersilie: karge Kost in Ägypten
Bitterkräuter: die bitteren Leiden in Ägypten symbolisiert im Meerettich
Charuseth: Äpfel, Mandeln, Wein und Zimt – der Lehm aus dem die Ziege für die Ägypter geformt werden mussten
Der Knochen einer Lammschulter: das Pessachlamm als Löseopfer
Ein Ei für das Festofer
Salzwasser: die Tränen des Leides
 

Am Abend:
Kidduschsegen
Lobspruch über dem 1. Glas Wein, das man in einem Zug leertrinkt (Es kommt tatsächlich darauf an, sich an diesem Abend zu betrinken, um den Rausch der Freude über die Befreiung zu genießen. Während der Mahlzeit werden oft noch andere Alkoholika aufgetischt)
Händewaschen (Familienoberhaupt)
Genuß von Erdfrucht in Salzwasser
Teilung der mittleren Mazza
Erzählung der Aggada
Die Fragen des Jüngsten der Tischgesellschaft: Warum ist diese Nacht anders als alle anderen Nächte?  (Ex. 12, 26) Die Antwort ist die Erzählung der 10 Plagen, des Durchzugs durch das Schilfmeer, die Erwähnung der Wohltaten Gottes
Lobspruch über dem 2. Glas Wein, das man in einem Zug leertrinkt
Händewaschen
Segensspruch über die Mazzoth
Genuß des bitteren Krautes
Genuß von Meerettich und Charoseth in Salzwasser
Mahlzeit
Genuß der mittleren Mazza (Afikoman)
Tischgebet nach dem Essen
Hier wird die Tür geöffnet und der Becher für den Propheten Elia eingeschenkt, dessen Wie-derkunft den Meschiach ankündigt
Lobspruch über dem 3. Glas Wein, das man in einem Zug leertrinkt
Hallelgebet
Wohlgefälliger Abschluß
Lobspruch über dem 4. Glas Wein, das man in einem Zug leertrinkt
 

Heilsgeschehen

Exodus-Anamnese
Durch die Erfüllung der gebotenen Erinnerung (Ex. 12, 14: 14 Und der Tag werde euch zum Gedächtnis, als Festreigengang GOTTes begeht ihn, für eure Geschlechter, als Weltzeit-Satzung, sollt ihr ihn begehn.“ Ordnung =Seder) und der mündlichen Tradition (Rabbinen)
 

II. ABENDMAHL

Grundsätzliches:

Das Abendmahl erinnert an Jesu letztes Mahl mit seinen Jüngerinnen und Jüngern. Sicher hat Jesus auch oft mit den Menschen gegessen, sein letztes Mahl vor seiner Hinrichtung bekommt durch die Brot und Wein-Worte: „Das ist mein Leib bzw. Blut“ eine besondere Bedeutung.

Quellen

Biblische Quelle:
- Bei Paulus in 1. Korinther 11, 23 ff (erste Überlieferung)

23 Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot,
 24 dankte und brach's und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.
 25 Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.
 26 Denn sooft ihr von diesem Brot eßt und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.
 27 Wer nun unwürdig von dem Brot ißt oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn.
 28 Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch.
 29 Denn wer so ißt und trinkt, daß er den Leib des Herrn nicht achtet, der ißt und trinkt sich selber zum Gericht.
(Einheitsübersetzung der Bibel, Stuttgart 1980, modifiziert von T.S.)

- Synoptische Evangelien  Mk. 14, 12-31 et par.
legen nah, daß Jesu letztes Mahl ein Sederabend war
berichten vom Brot und Kelch teilen

- Johannes berichtet nur vom Abendessen vor dem Pessachfest (Joh. 13,1)
legt nah, daß Jesu letztes Mahl am abend vor dem Sederabend stattfand
berichtet nur von der Fußwaschung
 

Historische Entwicklung

Aus der Mahlzeit der Urgemeinde mit dem Brotbrechen als Christus-Anamnese (s.a. Act. 2, 45) wurde eine eigenständige Feier.

„Die Ablösung der Eucharistie vom jüdischen Mahl war die Folge der Trennung von Kirche und Synagoge und zugleich auch die Einbeziehung griechischen Denkens in christliche Theologie und Frömmigkeit. Erst dadurch, daß der Lobspruch über Brot und Wein als Segnung verstanden wurde, erhält die Abendmahlsfeier eine feste, unumkehrbare Struktur.“ (TRE, Band I, Berlin 1977, S. 241)

Zum frühen Mittelalter hin entwickelt sich die Anamnese-Feier zur Opfer-Feier: Christus wird als Opfer immer wieder neu zum Heil der Welt dargebracht. Dies schlägt sich auch in immer aufwendigerer, exklusiver Liturgie nieder. Der Priester kann die Messe auch alleine feiern - was er faktisch auch tut, da die Gemeinde immer weniger beteiligt ist, da die wenigsten Latein verstehen und der Priester viele Gebete „in secreto“ – also still – spricht.

Mit Aufkommen der Reformation im XVI. Jahrhundert bilden sich in den unterschiedlichen reformierten Traditionen verschiedenen Deutungen des Abendmahls und damit auch verschiedene Liturgien heraus, die sich mehr oder weniger stark an die kath. Tradition anlehnen.

Nach dem II. Vatikanischen Konzil der kath. Kirche 1962-1965 bekommt die Eucharistie-Feier auch den Charakter eines Gemeinschaftsmahles wieder, ohne daß auf den Aspekt des Opfers verzichtet wird. Auf eine dialogische Form wird ebenso Wert gelegt wie auf die Feier in der jeweiligen Landes-sprache, die Entwicklung des Liedgutes, die Erlaubnis des Laienkelches in bestimmten Situationen und die Beteiligung von einzelenen Gemeindegliedern an Teilen der Messe (Lesung, Gebete etc.).

In ökumenischer Sicht kann man folgende, gemeinsame Aspekte feststellen: Das Abendmahl ist
Danksagung an Gott
Anamnese oder Gedächtnis (Repräsentation und Antizipation) Christi
Anrufung des Heiligen Geistes
Gemeinschaft im Leibe Christi
(TRE Band I, Berlin 1977, S. 325)

Liturgie

(Ich habe hier versucht, die Kernpunkte der heutigen christlichen Abendmahlsliturgie aufzuzeichnen. Zwischen katholische und ev.-luth. bzw. ev.-ref. Tradition bestehen Unterschiede, die aber hier zu weit führen würden)

Platz im „normalen“ Gottesdienst nach dem Verkündigungsteil (Lesungen und Predigt) und dem Cre-do (Glaubenbekenntnis der Gemeinde)
oder als Kasualhandlung (Krankenabendmahl/Hausabendmahl)

Aufbau:
1. Wechselgruß zwischen Liturg/in und Gemeinde (Gemeinde gibt Liturg/in Vollmacht)
L.: „Der Herr sei mit Euch“
G.: „Und mit Deinem Geiste“
L.: „Die Herzen in die Höher“
G.: „Wir erheben sie zum Herren“
L.: „Lasset uns Dank sagen dem Herrn, unserm Gotte“
G.: „Das ist würdig und recht.“

2. Dankgebet für Brot und Wein (entspricht dem jüd. Hkrb)
3. Gemeinde: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! (Jes. 6,3)
Hosianna in der Höhe (Matth. 21,9, et par.).
Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn (Ps. 118, 26; Matth. 23,39 et par.)
4. Bittgebet um die Heiligung der Gaben (Epiklese)
5. Erinnerung an Jesu letztes Abendmahl und „Wandlung“
Katholisch: Brot und Wein werden zu wahrem Leib und Blut Christi und bleiben es auch nach dem Mahl (Hostienverehrung)
Ev.-lutherisch: Brot und Wein werden zu wahrem Leib und Blut Christi nur während des Abendmahls
Ev.-reformiert: Brot und Wein erinnern nur an Jesu letztes Mahl
Liturg/in: „Geheimnis des Glauben“
Gemeinde: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit“ (nach I Kor 11, 26)
6. Gemeinde: „Christe du Lamm Gottes, der Du trägst die Sünd der Welt, erbarm Dich unser. (Joh. 1, 29/36) Christe du Lamm Gottes, der Du trägst die Sünd der Welt, verleih uns Deinen Frieden“
7. Austeilung
8. Dankgebet
9. Gottesdienstschluß

Eine Sonderform des Abendmahls ist das sogenannte „Agape -Mahl“ (das griechische agape bezeichnet eine besondere Form der geistigen Liebe) – hier wird Brot und Wein ohne die Einsetzungsworte „Die ist mein Leib“ bzw. „Die ist mein Blut“ geteilt. Die Anwesenheit einer geweihten bzw. ordinierten Person ist nicht nötig. Es ist eine oft gewählte Form des ökumenischen Mahles, da die unterschiedlichen Vorstellungen der Eucharistie dort irrelevant sind.
 

Heilgeschehen:

KATH. KIRCHE
Nur der „gültig geweihte Priester“  (Katechismus der katholischen Kirche, 1993  §1411) macht die Eucharistie zum Leib und Blut (Transsubstination, substantielle Gegenwart Christi)
„Christus selbst, der ewige Hohepreister des neuen Bundes, bringt durch den Dienst der Priester das eucharistische Opfer dar. Ebenso ist es Christus selbst, der beim eucharistischen Opfer die Opfergabe ist.[...].“  (Katechismus der katholischen Kirche, 1993  §1410)
„Als Opfer wird die Eucharistie auch zur Vergebung der Sünden der Lebenden und der Toten dargebracht und um von Gott geistliche und zeitliche Wohltaten zu erlangen.“  (Katechismus der katholischen Kirche, 1993  §14116)
„Vergebung der läßlichen Sünden und Bewahrung von schweren Sünden“ (Katechismus der katholischen Kirche, 1993  §1416)
„Festigung der Einheit der Kirche“  (Katechismus der katholischen Kirche, 1993  §1416)

EV. KIRCHE
Der Glaube des/der Einzelnen macht das Geschehen zum Heilsgeschehen

Kleiner Katechismus (M. Luther 1529)  – lutherische Kirche
„Was nützt denn solch Essen und Trinken?“
„Das zeigen uns diese Worte: Für Euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden; nämlich das im Sakrament Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit durch solche Worte gegeben wird, denn wo Vergebung der Sünden ist, da ist auch Leben und Seligkeit“
(Zitat nach: Evangelisches Gesangbuch 1994)

Heidelberger Katechismus (1563)  – reformierte Kirche
- Verdeutlichung des Opfertodes Christi am Kreuz zur Vergebung der Sünden
- Brot und Wein als „gewisse“ [i.S. von „wahr“] Wahrzeichen des Leibes und Blutes
(Zitat nach: Evangelisches Gesangbuch 1994)

Die Zulassung zum Abendmahl ist dabei in der ev. und kath. Tradition an die „Würdigkeit“ des/der Kommunikaten/tin geknüpft, d.h. Menschen im „sündigen“ Zustand dürfen das Abendmahl nicht empfangen. Problematisch ist natürlich die Aussage, daß das Abendmahl einerseits auch Sünden vergibt, andererseits aber die Zulassung die Freiheit von Sünde fordert. Daher ist an das Abendmahl auch immer eine Form der „Beichte“ geknüpft (meist im vorderen Gottesdienstteil im „Kyrie“, manchmal aber auch in Form der allgemeinen Beichte kurz vor dem Abendmahl). Erst in jüngerer Zeit wurde gerade in der ev. Kirche auf diesen Aspekt weniger Wert gelegt, um die Teilnahme wieder zu erhöhen.
 
 

III. PESSACHMAHL UND ABENDMAHL – ABSCHLIESSENDE GEDANKEN

Pessachmahl und Abendmahl stehen zweifelsohne in der historischen Kontinuität, in der sich das Christentum an das Judentum anschließt. Dabei ist immer darauf zu achten, daß viele jüdische Symbole „christianisiert“ wurden in dem Sinne, als das sie die ursprünglich jüdische Symbolik verein-nahmen, überhöhen und auf Christus als den Messias neu deuten. Der mehr oder weniger offensichtliche antijudaistische Hintergrund dieses historischen Geschehens ist aus heutiger Sicht sehr kritisch zu betrachten und sollte zu neuen Versuchen anregen, das Abendmahl anders zu deuten und zu gestalten. Dabei steht vor allen Dingen die zweifellos johanneische Deutung Christi als „Pessachlamm“  (also Löseopfer, Johannes datiert – wie bereits gesagt – den Tod Jesu auf den Sedertag zu der Stunde, in der im Tempel die Pessachlämmer geschlachtet werden. ) im Vordergrund. Die Osterliturgie der christlichen Kirche nimmt vor allen Dingen im österlichen Lobpreis (dem „Exultet“) Motive des Pessach und Exodus auf.
In der historischen Veränderung des Abendmahles (von der sättigenden Mahlzeit jüdischen Charakters bis zur kargen Hostie) lassen sich zahlreiche Einflüsse erkennen.
Pessachmahl und Abendmahl haben beide einen Erinnerungscharakter, aus dem Heil erwächst. Sie erinnern an die befreienden Taten des GOTTes Israel – einmal an seinem auserwählten Volk Israel im Pessachmahl und im Abendmahl an den anderen Bund, den GOTT mit den Völkern der Welt durch Christus geschlossen hat. Es sollte weniger um die Frage des „Alten“ und „Neuen Bundes“ gehen als um den Gedanken unterschiedlicher, gleichberechtigter Traditionen.
Die Heiligkeit dieses Essens entsteht aus der Erinnerung und immer wieder neuen Vergegenwärtigung der Befreiung, da in der jüdischen und christlichen Überlieferung das Heilige immer nur an das Kriterium des Befreienden geküpft ist.
Der Sakramentsgedanken (den das Judentum nicht kennt) entsteht aus der Tradition der „Stiftung“ durch Christus. Aus dem bisher gesagten können wir aber schließen, daß Christus nicht der ursprüngliche „Stifter“ war, sondern an bisherige Traditionen anknüpfte. Auch hier muss also neu nachgedacht werden.
 Insgesamt bleibt zu wünschen, daß es die christliche Tradition wieder versteht, das Abend-mahl in der Kontinuität der jüdischen Tradition zu stellen, ohne diese zu vereinnahmen. Eine sinnlichere, verständliche Gestaltung dieser „Mahlzeit“ kann helfen, Menschen die Bedeutung des Abendmahls als befreiendes und damit heiliges Essen neu zu erschließen.

Göttingen, im April 1999
Tim Schmidt
 

Quelle: 10.03.2002   Referat zur Übung „Das sakrale Mahl“ (Dozentin B. Beinhauer-Köhler) im Sommersemester 1999

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