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Gewinn durch Verzicht: Die Fastenzeit
ein Artikel von Joachim Schröder
Die Fastenzeit - auch österliche Bußzeit genannt - dauert genau 40 Tage. Die Zahl 40 hat in der Bibel eine hohe Symbolkraft. So wandert Elias 40 Tage zum Berg Horeb (1 Kön 19,8), 40 Tage bleibt Moses auf dem Berg Sinai (Ex 24,18) und 40 Jahre wandern die Israeliten durch die Wüste (Ex 16,35). Die katholische Kirche hat die Dauer der Fastenzeit auf 40 Tage angesetzt, in Anlehnung an das Fasten Jesu in der Wüste: (Mt 4,2). Übrigens wird auch das Fest Christi Himmelfahrt 40 Tage nach Ostern gefeiert (Apg 1,3).
Dass man rechnerisch bei der Zeit von Aschermittwoch bis zum Karsamstag auf 40 Tage kommt, liegt an den ausgesparten Sonntagen. Sonntage zählen nicht zu den Fastentagen. Beim Fasten geht es schließlich nicht um Selbstkasteiung, sondern um ein Überdenken der eigenen Haltung. So dürfen die Sonntage durchaus als kleine Inseln, als Atempausen in der Fastenzeit gelten, an denen man sich ruhig etwas gönnen darf – denn schlechte Laune ist alles andere als christlich, heißt es doch in der Bibel: "Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, daß sie fasten." (Mt 6,16)
Soweit der theologische Ansatz. Was bedeutet(e) Fasten heute und früher? Für uns Kinder war es früher in den 50er und 60er Jahren ein bewusstes Sparen an Süßigkeiten und Süßspeisen. Die "Kamellengläser" im Spind und Küchenschrank waren von den Fastnachtstagen (Heischegänge) noch reichlich gefüllt. Sonntags gab die Mutter uns Kindern ein paar Bonbons, Lutschstangen oder Gebäck, das begierig genossen wurde. Eine Ausnahme bildeten der Burgsonntag am ersten Fastensonntag und das "Mittfasten", das in Belgien Tradition hat. Auch dann durfte genascht, ja sogar ausgiebig gefeiert werden. Das Mittfasten nimmt in der Mitte der Fastenzeit nochmal Gestalt einer zweiten Fastnacht an.
Wenn man heute von Fastenzeit spricht, ist damit eher der Verzicht auf Gewohnheiten gemeint, die man im Alltag praktiziert: Verzicht auf Nikotin, Alkohol, unnötige Autofahrten und Unterhaltung. "Gewinn durch Verzicht" lautet das Schlagwort. Auch gilt es, sich selbst auf den Prüfstand zu stellen, sein Leben zu reflektieren und eventuell etwas zu korrigieren. "Gewinn" meint vor allem auch "Reinigung von Geist und Seele" - will heißen, dem Körper Gutes tun, etwa durch Wandern und Spazierengehen. Auch der Seele kann man Gutes zufügen, so etwa durch Verzicht auf "Reizüberflutung" und Überlagerung mit unsinnigem oder unnötigem Ballast und Stress.
Die Fastenzeit in der heutigen Auslegung und Praxis ist somit ein Gewinn. Manche Zeitgenossen zieht es sogar für Tage in ein Kloster, um Abstand vom Alltag zu gewinnen. Nicht selten sind es Manager und Banker, die in der Stille der Klöster (etwa in Himmerod) neu zu sich finden möchten. Gebet, Medititation, Gruppengespräche, der Erwandern der Umgebung und naturnahe Tätigkeiten sind gute Möglichkeiten zu "fasten" oder gar dem Leben eine Kehrtwende zu geben.
Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Gewinn durch Verzicht: Die Fastenzeit
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
eingesandt von Joachim Schröder am:
Date: 09.03.2011 09:11
Internet: www.joachim-schroeder.com
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