Klapperbrauch an den Kartagen

Klapperbrauch an den Kartagen
ein Artikel von Joachim Schröder

An den beiden Kartagen ersetzen in manchen Regionen die so genannten Klappern die Kirchenglocken und Schellen. So ist es auch in der Eifel. Nach alter Überlieferung ist das Geläut in Rom, um Beichte abzulegen, mitzutrauern über den Tod Christi und - nach einer uralten Quelle - "um Brei zu essen".

Am Gründonnerstag, in der Abendmahlsmesse, läuten die Altarschellen nicht mehr, sie werden ersetzt durch Holzklappergeräusche. Schon vorher sind die Kirchenglocken verstummt, sie riefen ein letztes Mal zum Gottesdienst.

In der Eifel gibt es drei "Klappermodelle": Zarr, Flippflapp und Klapper. Bei der herkömmlichen Klapper handelt es sich um ein rechteckiges Gehäuse, gegen dessen Wand abwechselnd vier Klöppel schlagen, die von den Zähnen einer Drehwalze zuvor gebogen werden. Nach dem gleichen System arbeitet die "Zarr", bei der die Kurbelwalze zahnradartig eingekerbt ist. Bei der "Flippflapp" handelt es sich um ein einfaches Brettchen mit einem Stiel, dessen oberes Ende durch das Brett ragt und einen beweglichen Holzhammer hält, der beim Schwingen auf das Brett schlägt. In der Kirche ersetzt dieses Instrument die Altarschellen.

Traditionell war Klappern in der Eifel reine Jungensache. Heute sind auch Mädchen zugelassen, die mitterweile auch im Ministrantendienst nicht mehr wegzudenken sind. In einem Zug marschieren die Schuljungen und -mädchen in den drei Ortsteilen von Pronsfeld durch das Dorf, um die Angelus-Zeiten und die Gottesdienste anzukündigen. Die "Kupphären" (die ältesten Jungen) ordnen den Zug in Zweierreihen, bestimmen Zeit und Weg und geben das Zeichen zum Klapperruf.

Der morgendliche Ruf in Pronsfeld lautet:

"Et lookt Bätglock!"

Mittags:

"Et lookt Mettich!"

Abends:

"Et lookt Bätglock!"

Beim Klappern vor den Gottesdiensten heißt es:

"Et lookt firrdierscht" (beim Hinweg) und "Et lookt zuhoof!" (beim Rückweg).

Sonderrufe gab es bei Sterbefällen und beim Rosenkranzgebet.

Bis in die 50er Jahre gingen die Jungen auch am frühen Ostermorgen ("Osterwecken") in Klapperordnung durch die Orte. Der "Kupphär' trug dabei als einziger eine Klapper. Danach folgten die beiden Nächstälteren mit dem Eierkorb sowie die übrigen Klapperjungen. Vor der Haustür gab es ein kurzes Klappergeräusch und den anschließenden Heischespruch.

In Pronsfeld lautet er:

"Eier rous, Eier rous, sos schekke mer ech de Prosselman ant Hous!"

In anderen Orten:

"... Sos kent de Wolef an eijer Hous!"

Die Eier wurden nach Abschluss der Aktion mehr oder weniger gerecht verteilt.

Klapperrufe gibt es auch in Hochdeutsch. Als Beispiel sei hier Oberhessen angefügt:

- Ihr Christen erhebt euch zum Herren und betet den Engel des Herren
- Wir rufen zum engelischen Gruß, den jeder beten muss. Ave, Ave, Ave Maria
- Wir rufen zum engelischen Gruße
- Wir rufen die Christen zur Kirche

Sammelspruch:

- Wir haben gewacht am heiligen Grab und bitten um eine milde Gab'.

In der festlichen Ostermesse, die früher immer in den Morgenstunden des Ostersonntags zelebriert wurde, finden die Klappern noch Einsatz bis zum Gloria. Wenn dann dieser feierlicher Gesang angestimmt ist, bricht es wie ein Vulkan in der Kirche los: Alle Schellen, Glocken und die Orgel erheben sich zusammen mit dem Glorialied zu einem mächtigen Hochgesang und Klang, der alle Kirchenbesucher mitreißt.



Mit freundlicher Unterstützung von Joachim Schröder
Titel: Klapperbrauch an den Kartagen
Autor: Joachim Schröder
Copyright: © by Joachim Schröder
eingesandt von Joachim Schröder am:
Date: 05.04.2011 08:28
Internet: www.joachim-schroeder.com


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