Veranstaltungskalender
für Brauchtum und Tradition

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Die schönsten Ostergeschichten

  1. Das besondere Osterei
  2. Das komische Ei
  3. Das Osterhasenmärchen
  4. Der Hase und der Igel
  5. Der kleine Kobold
  6. Der Osterhase
  7. Die Ostereiersuchaktion
  8. Die Ostergeschichte nach dem Evangelisten Johannes
  9. Die unzufriedene Maus
  10. Du bist mein „OStern″
  11. Easter-Eggs
  12. Eggs und hopp
  13. Grünlindchen
  14. Hops der kleine Osterhase
  15. Osterfreu(n)de im Outback
  16. Ostereierverstecke
  17. Ostereierversteckzeit
  18. Ostern im Märchenland
  19. Pauli und der Osterhase
  20. Sophie beim Osterhasen

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Die schönsten Frühlings- und Ostergeschichten
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Die unzufriedene Maus
von Anneli Klipphahn

Die unzufriedene Maus

Liesa wirft sich auf`s Bett. In ihr drinnen sitzt eine große Unzufriedenheit. Um sich abzulenken, greift Liesa nach einem Buch.

Silly, die Waldmaus macht sich auf den Weg zu ihrer Freundin. Sanny ist gerade dabei, eine dicke Beere in ihre Vorratskammer zu schleifen. Silly staunt: „O, da hast du aber ein tolles Prachtstück gefunden!“
„Sie ist nicht zu verachten“, gibt Sanny zu.
„Kommst du jetzt mit spielen?“, will Silly wissen.
„Aber nein, wo denkst du hin“, entgegnet Sanny. „Jetzt, wo ich die Stelle mit diesen herrlichen Dingern gefunden habe, kann ich auf gar keinen Fall spielen gehen. Ich will noch mehr Beeren holen.“
Silly seufzt: „Aber sie ist doch sooo riesig, du könntest dich doch damit zufrieden geben und ein wenig mit mir spielen gehen.“
„Nein, ich will noch mehr haben. Und wenn die Nacht erst vorbei ist, kommen die anderen Tiere und fressen mir alles weg.“
Silly schlägt vor:„Ich könnte dir helfen und dann könnten wir spielen.“
Davon will Sanny nichts wissen. Wenn Silly ihr hilft, dann will sie am Ende vielleicht die Hälfte von den schönen Beeren abhaben. „Ich mach das schon allein.“, sagt sie. „Frag doch Pieps und Fieps, die Mäusejungs von nebenan. Vielleicht spiele ich morgen wieder mit.“
Als Silly merkt, dass mit ihrer Freundin heute Nacht wirklich nicht viel anzufangen ist, geht sie zu Pieps und Fieps. Die freuen sich als Silly kommt und laden sie ein, mit ihnen um die Wette zu springen. Fieps springt am Weitesten, er schafft einen Rekord von 80 cm. Silly ist traurig, weil sie schlechter ist als die Jungs. Pieps tröstet sie: „Das ist doch nicht schlimm, es ist nur ein Spiel. Jungs haben es sowieso leichter als Mädchen beim Sport.“
„Wie kommst du denn darauf?“, wundert sich Silly.
„Das liegt sicher an unserem männlichen, muskulöserem Körperbau“, erklärt Pieps. „Ihr bekommt dafür später die Kinder und ihr könnt viel schöner piepsen als wir.“
Über diese komische Logik muss Silly lachen. Nun fängt auch Fieps an zu schmeicheln: „Außerdem sind Mäusemädchen so herrlich kuschelig, viel kuscheliger als Jungs.“ Dabei fährt er ihr sanft mit der Nase durchs Fell. Das kitzelt, Silly muss noch mehr lachen. Sie schubst Fieps weg und klettert auf einen Holunderbeerstrauch:„Los, kommt ! Mal sehen, wer die meisten Beeren runterholt!“
Die Drei flitzen und klettern, sammeln und naschen. Schließlich haben sie genug vom Toben. Gemütlich hocken sie sich ins Gras und fressen miteinander. „Das war eine schöne Nacht“, seufzt Fieps. Die anderen stimmen ihm zu. Jeder nimmt ein paar von den übrigen Beeren mit nach Hause. Silly krabbelt in ihren Bau und schläft zufrieden ein. Am nächsten Abend geht sie auf Futtersuche. Anschließend läuft sie wieder zu ihrer Freundin. Sanny schleppt eine fette Schnecke herbei. Silly eilt ihr zu Hilfe. Gemeinsam bringen sie Sannys große Beute in den Bau. Silly schaut sich um und staunt. Was für herrliche Schätze hat Sanny da angehäuft! Da gibt es jede Menge von diesen saftigen, großen Beeren, jede Sorte Körner und Samen, Käfer und Schnecken und süße Knospen und würzige Pilze und und und.... Silly kann sich nicht satt sehen an all den Köstlichkeiten. Langsam steigt in ihr der Neid hoch. Sanny drängt: „Komm, wir gehen wieder hinaus, ich weiß eine herrliche Stelle, wo sich heute die fettesten Schnecken herumtreiben!“
Silly kann sich nur schwer vom Anblick der vielen leckeren Sachen trennen. Eigentlich könnte ihr Sanny wenigstens eine klitzekleine Kostprobe anbieten, sie hat doch sooo viel davon. Doch Sanny denkt nicht daran: „Komm schon, die Schnecken kriechen sonst weg!“
„Wolltest du nicht heute mit mir spielen?“, wendet Silly ein.
„Ich hab`s mir anders überlegt“, entgegnet Sanny. „Ich gehe wieder hamstern. Du kannst ja mitkommen, wir müssen uns beeilen, sonst....“
Während ihr Sanny einen Vortrag darüber hält, wer alles die wunderbaren Schnecken wegnehmen könnte, überlegt Silly, ob sie ihre Freundin begleiten soll. Doch dann erinnert sie sich an die vergangene Nacht, in der sie so viel Freude mit Fieps und Pieps hatte. Klar war sie vorhin angesichts der vielen Köstlichkeiten in Sannys Bau neidisch geworden, aber wenn sie es sich recht überlegt, braucht sie all diese vielen Vorräte eigentlich gar nicht. Zu Sanny sagt sie: „Du solltest dir wirklich einmal eine Pause gönnen. Du hast schon so viel gesammelt, du könntest doch damit zufrieden sein und...“

„Zufrieden sein“, kreischt Sanny „Du hast die fetten Schnecken nicht gesehen, die muss ich unbedingt haben! Und dann gibt es noch leckere Kräutersamen, die werden jetzt so richtig schmackhaft, und...“
„Ach, schon gut“, winkt Silly ab. „Geh nur wieder hamstern. Aber vergiss nicht, dass du eigentlich eine Maus bist und kein Hamster.“
Nach einer Woche kommt Silly gut gelaunt von einem schönen Ausflug zurück. Sie hat neue, interessante Flecken im Wald erkundet. Außerdem ist sie anderen Tieren begegnet, mit denen sie sich unterhalten und manchmal auch ein wenig gespielt hat. Auf einmal läuft ihr eine voll bepackte Maus über den Weg. Es ist Sanny. Silly nimmt ihr etwas von der Last ab und begleitet sie. Sie stellt fest, dass Sannys Vorräte schon wieder gewachsen sind. Silly will ihrer Freundin von ihrem schönen Ausflug erzählen, aber die hört gar nicht hin. Und obwohl ihre Vorratskammer überquillt, ist sie total unzufrieden. Immer wieder zählt sie auf, was sie sich alles noch anschaffen will. Silly gelingt es nicht, ein anderes Gesprächsthema mit Sanny zu finden. Sie seufzt: „Warum kannst du nicht endlich zufrieden sein mit dem, was du hast?“
Sanny erklärt: „Ich könnte schon zufrieden sein, wenn ...“
„Jetzt hör endlich auf“, unterbricht Silly ihre Freundin. „Du hast so viel und bist immer noch unzufrieden. Immer, wenn einer deiner Wünsche in Erfüllung gegangen ist, fällt dir schon der nächste ein. Du hast verlernt, dich an anderen schönen Dingen des Lebens zu freuen, du spielst nicht mehr mit mir, dich interessiert nichts anderes als dein Besitz. Du willst nur mehr und mehr haben. Aber das Komische ist, dass du immer unzufriedener wirst, je mehr du hast. Merkst du denn gar nicht, dass Besitz nicht glücklich macht?“
„Scher dich fort“, zischt Sanny wütend. „Du bist ja nur neidisch auf meine Schätze! Geh, ich will dich nie wieder sehen.“
Silly wirft ihrer ehemaligen Freundin einen letzten traurigen Blick zu und geht langsam davon.

„So eine dumme Sanny“, schimpft Liesa und klappt ihr Buch zu. Dann fällt ihr ein, warum sie heute so missmutig war. In der Schule hatten sie sich über das Osterfest unterhalten. Lea hatte mit ihrem Fahrrad geprahlt, dass sie bekommen hatte, Tim hatte begeistert von seinen neuen Computerspielen erzählt und Mara hatte allen ihre tolle Armbanduhr gezeigt. Liesa hatte sich ihren Neid nicht anmerken lassen. In ihrer Familie gab es zu Ostern nur Süßigkeiten. Liesa war unzufrieden nach Hause gegangen und hatte sich in ihr Zimmer verkrochen. Doch jetzt, nachdem sie diese Geschichte gelesen hat, fällt ihr ein, was die Eltern immer sagten: „Besitz macht nicht glücklich. Richtiges Glück findest du nur bei Gott und im Zusammensein mit den Menschen.“ „Kann man denn nicht auch glücklich werden, wenn man viel Geld hat und sich alles kaufen kann, was man will?“, hatte Liesa gefragt. Doch Vater hatte den Kopf geschüttelt: „Wer Gott nicht kennt, wird immer unzufrieden sein. Er wird immer mehr und mehr haben wollen, aber nie genug haben. Es gibt nichts, was den Platz im Herzen ausfüllen kann, der Gott gehört.“ Gerade am vergangenen Osterfest hatte Liesa gespürt, dass Vater Recht hatte. Sie hatte wirklich ein wunderbares Osterfest mit ihren Eltern und ihrem Bruder Eric erlebt! Am frühen Ostermorgen waren sie zur Osternachtfeier in die dunkle Kirche gegangen. Alle waren ganz still gewesen. Jeder bekam eine Kerze und die wurden nach und nach angezündet. Es wurde heller und heller in der Kirche. Als dann alle sangen: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“, wurde es Liesa richtig froh zumute. Es war, als wäre Jesus ihnen allen in diesem Moment ganz, ganz nahe! Anschließend waren sie zum Osterfrühstück in das Gemeindehaus gegangen. Sie hatten gemeinsam gegessen, gesungen und gespielt. Am Ostermontag waren sie nach dem Gottesdienst zu Oma und Opa gefahren. Während einer Wanderung hatten Mutti und Vati immer wieder etwas für Liesa und Eric versteckt. Oma hatte von Früher erzählt und am Abend hatten alle zusammen ein Spiel gemacht. Ja, das war wirklich ein schönes Osterfest gewesen! Liesa steht auf und geht zum Fenster:„Danke, lieber Gott, dass du da bist und dass ich eine Familie habe“, sagt sie laut. Dann stürmt sie die Treppe hinunter, um ihre Freundin Sarah zu besuchen.

von Anneli Klipphahn, Religionslehrerin an einer Grundschule

Diese und weitere Geschichten können Sie in diesem Buch finden: Keilnuchten, Schnäppchenjagd und Lutherrosse von Anneli Klipphahn, erschienen im SEW - Verlag.

mit freundlicher Erlaubnis von Anneli Klipphahn
Copyright © by Anneli Klipphahn
gepostet von Anneli Klipphahn am 23. Februar 2007 21:34

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