Osterfreu(n)de im Outback
von Barbara Pronnet

Osterfreu(n)de im Outback
Ein Osterhase von www.osterseiten.de bei der Arbeit

Pünktlich einen Tag vor dem Osterfest, erfuhr der Osterhase im Outback, dass Hasen mal wieder eine Plage waren in Australien. Ab sofort waren die Langohren in New South Wales zum Abschuss freigegeben.
Schon wieder wir, dachte er pikiert. Waren Menschen schon mal ein Plage? Es gab schließlich auch mehr als genug.
Pfui, solche Gedanken waren schlecht. Der Osterhase schüttelte traurig seinen Kopf und hüpfte zu seiner Höhle. Diese war unter einem großen ausgehöhlten Steinmassiv versteckt. Dort lagen die vielen Geschenke für die Kinder, die verteilt werden wollten. Er musste mehrere Farmen beschenken und die Anwesen lagen weit auseinander. Also ein gefährliches Vorhaben.
Wenn ein Farmer mal die Flinte zückte machte er vor keinem Hasen mehr halt, auch wenn der einen Korb auf dem Rücken trug. Der Osterhase hatte so seine jahrelange Erfahrung. Im weiten roten Land mit wenigen Versteckmöglichkeiten, lauerte so manche Gefahr.
Es muss doch eine Möglichkeit geben, den Farmerkindern ihre Osterüberraschungen zu bringen, überlegte der Osterhase verzweifelt.
Er stellte sich auf seine Hinterläufe und schaute über die verdorrte, karge Gegend. Nichts war zu sehen, nur ein paar gelangweilte Kängurus dösten unter der gnadenlosen Sonne.
Plötzlich kam ihm die Idee. Es wäre die Rettung für ihn und die Kinder. Jetzt musste er nur noch feinfühlige Überzeugungsarbeit leisten.
Vorsichtig hoppelte er zu den braunen Riesen. Mit denen war meistens nicht zu spaßen. Oft waren sie schlechtgelaunt und kämpferisch drauf. Und dann noch die Größe. Der Osterhase wusste, dass er nur eine Chance hatte sein Anliegen anzubringen und er musste es geschickt und überzeugend rüber bringen.
Ein etwas kleineres, noch jüngeres Känguru bemerkte ihn als erstes und richtete sich sofort auf.
Der Hase blieb mit etwas Abstand stehen: „Hey du, ich muss mit dir reden. Ich sitze in der Patsche und nur du kannst mir helfen.“ rief er dem Hünen mutig zu.
„Was geht, kleiner Mümmler?“ der braune Riese sprang zu unserem kleinen Hasen und beugte sich zu ihm runter.
“Stets zu Diensten, Meister Lampe. Bin ganz Ohr“ grinste das Beuteltier frech.
Der Osterhase wusste, dass er jetzt keinen Fehler machen durfte.
Ein Hieb vom dem Vieh würde ihm alle Knochen brechen.
„Ich bin der Osterhase und habe morgen eine riesen Sache zu erledigen. Ich muss Geschenke zu den Kindern auf die umliegenden Farmen ausliefern. Blöderweise ist gerade wieder ein Hasenplage und ich befürchte, dass ich dabei erschossen werde. Ich hab mir gedacht ob du mir eventuell helfen kannst? Ich könnte mich mit den Ostergaben in deinen Beutel verstecken und du bringst mich zu den Kindern. Du bist schnell und ihr seid zurzeit keine Plage. Es würde nicht lange dauern und alle Kinder in unserem Territorium würden dich lieben.“
So, jetzt war es raus und als er geendet hatte, wurde unserem Hasen bewusst, wie dumm das ganze klingen muss. Eigentlich hatte er schon verloren. Wer glaubte ihm denn so eine Story?
„Yeah, cool, klingt abgefahren. Ich bin dabei“ bleckte das Känguru und drückte begeistert seine Vorderläufe. „Wann soll‘s losgehen?“
Der Osterhase war platt. Sein Näschen mümmelte ganz aufgeregt vor Freude. Das war ja leichter als gedacht.
„Bitte komme morgen ganz früh bevor die Sonne auf geht zu meinem Bau. Dann erkläre ich dir alles.“ Sie nickten sich zu und der Hase sprang zurück in sein Heim.
Erst als er wieder in seiner Höhle war kam ihm der Plan völlig absurd vor. Was war nur in ihn gefahren? Ein Känguru als Mithilfe. Ein junges noch dazu. Es war völlig unerfahren und hatte nur Dummheiten im Kopf. Ein Teenager. Der kam sicher morgen erst gar nicht und hatte bestimmt alles bereits vergessen. Alle jungen Hüpfer waren doch unsensibel und egoistisch. Er wusste das von seiner Sippe nur zu gut.
Unser Osterhase hatte keine gute Nacht. Er träumte unruhig von tot geschossenen Eiern und buntbemalten Hasen. Als er gerade im Traum von einem Dingo gejagt wurde, zupfte etwas an seinen Läufen.
Er schreckte hoch und vor ihm stand das Känguru. Frisch, ausgeruht und mehr als pünktlich.
„Guten Morgen, Meister, los geht’s. Sind das da hinten die Geschenke? Wo kommen denn die her?“ neugierig schaute es zu den Gaben, welche in dem Bau des Hasen in einer Ecke lagerten.
„Guten Morgen, du bist wirklich da. Ich bin überrascht. Die Gaben kommen von…oben.“ Das musste genügen, denn schließlich haben Osterhasen eine österliche Schweigepflicht. Der Hase selbst war noch völlig fertig von der unruhigen Nacht und das Auftauchen des Beuteltiers hatte ihn völlig aus der Bahn geworfen.
Jetzt gab es aber kein Zurück mehr. Die Sache musste durchgezogen werden.
„Schön, pass auf. Ich lege die Geschenke jetzt in deinen Beutel. Dann komme ich mit hinein. Meinst du das geht? Wir versuchen es einfach, ok?“
Vorsichtig legte der Osterhase die Präsente in den großen warmen Fellsack des Riesen. Dann stieg er selber etwas umständlich hinein und wunderte sich wie groß und warm es darin war. Richtig gemütlich eigentlich.
„Es kann losgehen. Als erstes müssen wir zu der Doherty-Farm. Richtung Osten“. rief er aus dem Beutel.
Das Känguru begann zu hüpfen. Erst langsam dann schneller. Ein richtiger Galopp. Dem Hasen wurde erst etwas schlecht, aber nach einiger Zeit war er gut im Rhythmus und er schaute aus dem Sack. Es machte fast ein bisschen Spaß. Als sie bei der ersten Farm ankamen hüpfte der braune Riese zu den angewiesenen Farnen nahe der Terrasse. Der Hase holte die ersten Päckchen heraus und versteckte sie unter das Blattwerk. Auf der Farm lebten zwei kleinen Mädchen
Dann ging‘s weiter Richtung Südwesten zur Conelly-Farm. Dort lebte ein kleiner Junge.
Genau dieser Junge, der kleine James, konnte auch nicht richtig schlafen. Er war schon so aufgeregt weil doch heute der Osterhase kam. Er kroch aus seinem Bett und schaute aus dem Fenster. Es war zwar noch früh am Morgen aber nicht mehr so dunkel. Plötzlich bemerkte er ein Känguru. Es hüpfte zu den Büschen unter dem Akazienbaum der im Garten stand. Dann sah er wie sich der Beutel des Tieres bewegte und was war das? Ein Hase lehnte sich weit heraus und versteckte etwas zwischen den Büschen. Lautlos wie sie gekommen waren verschwanden sie auch wieder in Richtung Felder und Grassteppe.
„Mama, Papa“ schrie James begeistert. Er lief zu seinen Eltern ins Schlafzimmer und sprang auf das Bett. Diese erschraken erst weil sie dachten ihrem Sohn wäre etwas passiert. Aber als sie das glückliche Gesicht ihres Sohnes sahen mussten auch sie lachen.
„Stellt euch vor, ich habe gerade ein Känguru im Garten gesehen. In seinem Beutel saß der Osterhase und er hat ein Geschenk für mich in einem Busch versteckt.“ schrie er freudig. Die Eltern waren stolz auf die blühende Phantasie ihres Kindes und die Mama streichelte James über die Wange. „Wie nett, dann können wir ja mal schauen, was dir die beiden zu Ostern gebracht haben“. sagte sie neckend.
James merkte sehr wohl, dass die beiden ihm nicht glaubten. Erwachsene wollen immer alles glauben, aber das was direkt vor ihren Nasen passiert, sehen sie nicht. Bin ich froh, dass ich noch ein Kind bin, dachte er erleichtert.
Unsere beiden Osterfreunde hatten mittlerweile alle Farmen beliefert und als die Sonne aufging und es immer heller wurde, waren sie wieder in die Hasenhöhle zurückgekehrt.
Völlig fertig krochen sie beide in den Schatten unter dem Steinmassiv und mussten erst mal verschnaufen.
„Ich danke dir von ganzen Herzen, das hast du klasse gemacht. Ohne dich wären alle Kinder leer ausgegangen. Jetzt können sie alle Ostern feiern und weiter an den Osterhasen glauben. Eigentlich sollte ich dich fest engagieren. Es hat viel Spaß gemacht.“ lobte der Osterhase freudig.
„Yeah, ich fand‘s auch voll cool. Jetzt hab ich zu Hause auch was zu erzählen. Ist ja oft öde da und immer chillen bringt‘s auch nicht.“ grinste das Känguru. Es war halt doch noch ein junger Teenie.
„Schau da liegt noch etwas für dich. Als Dankeschön von oben“ sagte der Hase und deutete zu der kleinen Kammer in der Höhle. Da lag doch noch ein kleines Geschenk für den fleißigen Helfer. Ein kleiner Korb mit herrlichen Früchten.
„Echt, für mich? Wie krass ist das denn? Voll der Hammer“. freute sich das Känguru.
Vorsichtig schüttete der Hase die Früchte in den Beutel des Freundes.
Die beiden sahen sich an. Das war schon eine Aktion. Sie hatten es geschafft. Alles war gut gegangen.
„Mach‘s gut Großer und wir sehen uns.“ Der Osterhase und das Känguru gaben sich einen Klatsch mit ihren Pfötchen.
„Alle Jahre wieder, Kleiner.“ Ich bin dabei“. Dann hüpfte der braune Riese zurück zu seiner Familie.
Der Osterhase legte sich nochmal auf seine langen Ohren. Bevor er seine Augen schloss, stieß er noch ein Dankesgebet nach oben. „Danke, dass die Kinder heute Ostern feiern dürfen und danke für die geniale Idee“.
Dann schlief er traumlos ein.

Autorin: Barbara Pronnet
Titel: Osterfreu(n)de im Outback
Internet: http://www.barbarapronnet.de/
eMail: barbarapronnet@web.de
gepostet am: 10.02.2015 12:43

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