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Die schönsten Ostergeschichten

  1. Das besondere Osterei
  2. Das komische Ei
  3. Das Osterhasenmärchen
  4. Der Hase und der Igel
  5. Der kleine Kobold
  6. Der Osterhase
  7. Die Ostereiersuchaktion
  8. Die Ostergeschichte nach dem Evangelisten Johannes
  9. Die unzufriedene Maus
  10. Du bist mein „OStern″
  11. Easter-Eggs
  12. Eggs und hopp
  13. Grünlindchen
  14. Hops der kleine Osterhase
  15. Osterfreu(n)de im Outback
  16. Ostereierverstecke
  17. Ostereierversteckzeit
  18. Ostern im Märchenland
  19. Pauli und der Osterhase
  20. Sophie beim Osterhasen

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Die schönsten Frühlings- und Ostergeschichten
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Pauli und der Osterhase
von Kerstin Leppert aus Schriesheim

Pauli und der Osterhase

Am Tag, als der Hase auftauchte, hatte Pauli wieder Ärger im Kindergarten. Eigentlich hieß Pauli ja Maximilian-Paul, aber weil er so klein war, wurde er von allen nur Pauli genannt. Früher hatten die sogar Pieps zu ihm gesagt! Da war Pauli schon besser. Und außerdem war Pauli nun schon fast fünf Jahre alt. Aber genau wie die zweijährige Melanie musste er zum Hände waschen immer noch auf den Hocker steigen. Obwohl die Waschbecken ganz niedrig angeschraubt waren.

Pauli stand nun auf dem Hocker und wusch sich die Hände. Ganz viel Zeit ließ er sich dafür. Denn hier war es so still und kühl. Die Ärmel hoch geschoben, seifte er sich langsam die Hände und Unterarme mit der Pfirsichseife ein. Das orange Seifenstück schmatzte genüsslich, während er es in den Händen drehte. Im Waschbecken waberte gräulicher Schaum. Pauli summte vor sich hin. Seine Hände waren schon ganz rubbelig und aufgeweicht. "Waschfrauenhände", sagte Oma immer dazu.

Mmmmh, die Seife roch so gut! Wie Brausebonbons auf Honigtoast. Oder wie das gestreifte Eis im Freibad bei 30 Grad... Pauli beugte sich weiter vor und schnupperte. Er konnte den Duft fast schmecken. Und sehen.

"Guck dir mal diesen Doofi an! Der Zwerg leckt an der Seife!" gröhlte Christians Stimme hinter ihm. Pauli zuckte zusammen, fühlte sich ertappt.

"Iiih, voll eklig! Willst wohl Glibber saufen? Davon schrumpelst du noch mehr ein!" johlte Florian, Christians bester Freund und großer Bewunderer. Er hopste um Pauli herum und piekste ihn in den Bauch. Mit seinem kleinen fiesen spitzen Finger. Immer an dieselbe Stelle.

Pauli spürte, wie sein Kopf ganz heiß und rot wurde. Jetzt bloß nicht hoch gucken. Er beugte sich noch weiter vor und umklammerte die Pfirsichseife. Doch die beiden hörten nicht auf, ihn zu ärgern. Sie lachten und zerrten an ihm herum und sagten lauter gemeine Sachen.

"Ihr sollt nicht solche schweren Worte zu mir sagen!" schrie er plötzlich. - Christian und Florian guckten sich an und prusteten los. "Schweren Worte", kicherte Christian und tippte sich an die Stirn. Dann trat er gegen Paulis Hocker. Pauli schwankte und klammerte sich ans Waschbecken. Dabei flutschte die Seife in hohem Bogen davon. Seine seifigen Hände rutschten am Waschbeckenrand ab. Er fiel auf den Boden und stieß sich den Kopf.

"Auuuuuu!" schluchzte Pauli leise und biss sich auf die Lippe. Die Tränen brannten in seinen Augen, so sehr wollte er sie zurückhalten. Er rieb sich den Kopf. Dabei bekam er Seife in die Augen und weinte richtig los.

"Was ist denn hier los?" fragte Frau Scheller, die Kindergärtnerin. Sie lief zu Pauli, der wie ein Häufchen Unglück auf dem Boden hockte. Doch Pauli wollte sich nicht umarmen lassen. Er machte sich noch kleiner. Wollte am liebsten in einem Mauseloch verschwinden. Oder unsichtbar sein.

Christian und Florian machten lange Nasen über Frau Schellers Schulter. "Der Pauli ist ausgerutscht, weil er so doll mit der Seife rum gespielt hat!" log Christian.

Frau Scheller guckte Pauli an: "Stimmt das, Paul?" So ganz konnte sie das nicht glauben. "Klaro, und Christian wollte ihm nur helfen!" krähte Florian. Er grinste Pauli schadenfroh an. Pauli schniefte und sagte gar nichts. Frau Scheller stupste ihn sanft an der Schulter: "Pauli, nun antworte doch einmal!"

Pauli schwieg. Er starrte auf die Haut an seinen Nägeln. Ganz komisch sah die aus. So blass und irgendwie schlappig. Pauli zerrte an einem Häutchen. Das tat weh.

Frau Scheller seufzte und stand auf. "So, Jungs, jetzt marsch mit rüber. Noch fünf Minuten spielen, dann wird aufgeräumt! Wir wollen doch noch ein paar Osterlieder singen!" Sie schob Florian und Christian vor sich her.

Dann warf sie einen kurzen Blick über die Schulter und sagte zu Pauli: "Trockne dir bitte die Hände und das Gesicht ab und komm zum Stuhlkreis!"

Pauli blieb auf dem Boden sitzen. Er hatte gar keine Lust, zu den anderen Kindern zu gehen, zu ihren lärmenden Stimmen. Im Waschraum war die Luft leicht und leise. Wo war die Pfirsichseife denn nur geblieben? Er rutschte über den feuchten Boden und spähte in die Ecken. Ganz dunkel war es dahinten. Pauli tastete den Boden mit seinen schrumpeligen Händen ab. Dreck klebte an seinen Handflächen. Da! Er fühlte etwas Hartes. Aber es war nicht die Pfirsichseife, sondern ein Ei. Es sah komisch aus, nicht wie die Eier, die es zum Frühstück gab. Auch nicht wie die bunten Schokoeier, die jetzt schon überall in den Läden lagen. Pauli drehte es in den Händen hin und her und staunte. Es war rötlich mit feinen gelben Linien und blauen Tupfern. Und es fühlte sich so warm an.

"Pauli, kommst du?" Frau Scheller stand wieder in der Tür und schaute ihn ungeduldig an. Pauli steckte das Ei in die Hosentasche und ging zu ihr. Im Gruppenraum blendeten ihn das Licht und die Stimmen der anderen. Still setzte er sich auf einen Stuhl und hörte den Osterliedern zu. Das Ei in seiner Tasche drückte ihn. Nach dem Stuhlkreis wurden die meisten Kinder abgeholt. Sie rannten johlend nach draußen, plumpsten ihren Müttern in die Arme. Pauli und ein paar andere blieben hier. Paulis Oma kam erst um drei, nach dem Essen. Aber Pauli mochte die Zeit, wenn nur noch wenige Kinder hier waren, sowieso lieber. Dann ließen sie ihn meistens in Ruhe.

Er machte es sich in der Kuschelecke gemütlich und schrieb auf seinem heimlichen Computer. Auf seiner Handfläche tippte er mit dem Finger unsichtbare Buchstaben. Rote, blaue bunte Buchstaben stiegen wie Seifenblasen auf. Die Wörter tanzten um ihn herum und spielten fangen.

Da ruckte es in seiner Hosentasche. Pauli tastete vorsichtig nach dem Ei. Es zitterte und bebte in seiner Hand. Vielleicht war es zu warm in der Tasche. Pauli versuchte, es heraus zu bekommen. Aber es war so eng. Endlich schaffte er es. Pauli legte es vor sich und erschrak. Das Ei hatte einen Riss bekommen. Und es sah irgendwie lebendig aus.

Pauli legte sich auf den Bauch und schaute es gespannt an. Das Ei wackelte und knackte. Plötzlich zerbrach es. Pauli hielt sich die Hand vor den Mund. Die Eierschalen fielen knackend auseinander. Ein kleines Tier schlüpfte heraus. Doch es war kein Küken, sondern ein winziges Häschen. Pauli musste kichern. Träumte er?

Das Häschen war hellbraun und trug eine blaue Latzhose und einen gelben Sweater. Es fuhr sich mit den Pfötchen emsig durchs Fell, zupfte die Hose zurecht und strich sich die Schnurrbarthaare glatt. - "Wer bist du denn?" flüsterte Pauli. Er musste immer noch lächeln. Konnte nicht glauben, was er sah.

"Und du?" gab das Häschen patzig zurück. "Was glaubst du wohl? Wo bin ich hier eigentlich?" Hektisch blickte es um sich. "Ich bin Pauli, und das ist mein Kindergarten!" sagte Pauli.
"Kindergarten? Meinst du Häschengarten?" fragte das Häschen. Es schnupperte aufgeregt und begann, die Eierschale ordentlich wegzuräumen.

"Nein, mit richtigen Kindern, so wie mir", sagte Pauli. "Dein - äh - Ei lag im Waschraum. Ich hab es gefunden. Wieso kannst du sprechen?" - "Kannst du ja auch!" antwortete das Häschen und guckte beleidigt. "Ich würde ja gern noch mit dir plaudern, aber ich muss jetzt zu meinen Leuten!" Es hopste ungeduldig auf der Stelle auf und ab.

Pauli nickte verständnisvoll: "Und wer sind deine Leute und wo finden wir die?" - Das Häschen probierte ein paar größere Hopser. Dann schaute es auf eine winzige Uhr, die es am Handgelenk trug und verdrehte die Augen: "Du kannst Fragen stellen! Ich bin ein Osterhase, na ja, noch ein ziemlich kleiner. Daher muss ich ja auch in den Osterhasenkindergarten. Und zwar schnell, sonst schimpft Oma!"

Das verstand Pauli gut. Omas werden schnell ungeduldig. Er wollte dem Kleinen helfen. "Wie kommen wir denn dahin?" fragte er. - "Hinter dem Baumstumpf im Wäldchen ist die Tür! Dort ist auch das Hasenstübchen, wo wir sonst schlüpfen! Jedes Jahr bin ich dort aufgewacht. Ich weiß nicht, was schief gegangen ist!" rief das Häschen. Es sah jetzt aus, als ob es gleich anfangen wollte zu weinen.

"Ist doch klar, dass ich dir helfe!" sagte Pauli. "Sei ganz ruhig, ich bin ja bei dir." - Er fühlte sich ganz groß und beschützerisch. Wo der Baumstumpf war, wusste er nur zu gut. Jeden Morgen bei der Draußen-Zeit hockte er dort und beobachtete die kleinen Krabbelkäfer, während die anderen auf dem Spielplatz tobten. Eine Tür hatte er dort aber noch nie gesehen.

Pauli überlegte. Er schnappte sich einen kleinen Koffer aus der Puppenecke und setzte das Häschen hinein. Dann schlenderte er los. Als er an Frau Scheller vorbei ging, hielt sie ihn am Ärmel fest: "Pauli, wo willst du hin? Wir essen gleich."

"Muss noch mal Pipi machen!" antwortete Pauli und hüpfte auf und ab. Das wirkte immer. "Gut, dann beeil dich!" sagte sie und lächelte ihn an. Den Puppenkoffer sah sie nicht.

"Pass bloß auf, dass du nicht wieder ins Waschbecken fällst! Oder ins Klo plumpst und dich runter spülst!" rief Christian hinter ihm her. Er grölte vor Lachen. Florian war schon abgeholt worden.

Pauli sagte nichts. Er lief schnell mit dem Koffer nach hinten, vorbei an der Tür zum Waschraum, durch den kleinen Flur. Die Tür war abgeschlossen. "Mist!" schimpfte Pauli. Das Schloss klemmte etwas, aber Pauli schaffte es, den Schlüssel herum zu drehen. Schneller! Er patschte mit den Hausschuhen durch den matschigen Garten, ohne Mütze und Jacke. Pauli lief, so flink er mit seiner kostbaren Last rennen konnte.

Oma sagte immer, er wäre ein echter Langstreckenläufer. Jetzt konnte er zeigen, was in ihm steckt. Das Häschen wurde ziemlich durchgeschüttelt. Es moserte ein wenig. Endlich kamen sie bei dem Baumstumpf an. Pauli ließ das Osterhäschen aus dem Koffer und hockte sich ins nasse Gras.

"Toll, du hast es gefunden!" jubelte der Kleine und machte ein paar Freudensprünge. "Pauli, du bist echt der Größte!" "Na klar, ist doch Ehrensache!" Pauli spürte, wie er wieder rot wurde. Aber diesmal vor Freude.

"Jetzt wird doch noch alles gut. Ich bin noch rechtzeitig gekommen!" rief das Häschen und scharrte ganz unten an der Wurzel ein winziges Türchen frei. "Freut mich", gab Pauli zurück. Im Gebüsch hörte er jetzt raschelnde Schritte, die näher kamen.

"Du hast einen Wunsch frei! Denn du hast einen Osterhasen gerettet!" sagte das Häschen und reichte Pauli sein kleines Pfötchen zum Abschied. Es fühlte sich ganz weich und erstaunlich kräftig an. "Wünsch dir was, Pauli!"

Pauli zögerte. Einen Wunsch? Er hatte tausend Wünsche... Aber was war der größte? Er konnte sich nicht so schnell entscheiden. "He, was macht denn der kleine Pieps hier? Suchst du immer noch deine Pfirsichseife zum Ablutschen? Oder willst du jetzt Gras mampfen?" spottete eine Stimme.

Pauli blickte auf. Vor ihm stand Christian, blickte ihn von oben herab an und piekste ihm mit der Schuhspitze in die Rippen. "Dich kann jetzt keiner hören, wenn du wieder hin knallst, du kleiner Wurzelzwerg..."

Pauli richtete sich langsam auf. Als er stand, war er einen halben Kopf größer als Christian. Christians Augen weiteten sich. Sein Mund stand offen vor Staunen.

"Hilfe!" schrie er entsetzt, drehte sich hastig um, wollte wegrennen und stolperte. Der Länge nach fiel er in den Matsch. Pauli blickte sich suchend um. Das Häschen war spurlos verschwunden. Die kleine Tür am Fuß des Baumstumpfes war kaum noch zu sehen.

"Danke, liebes Osterhäschen", flüsterte Pauli leise.

von Kerstin Leppert aus Schriesheim
mit freundlicher Erlaubnis von Kerstin Leppert - info@gedichte-pur.de
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